Sonntag, 19. August 2018
Notruf: 112

Hochwassereinsatz im Großraum Pirna

Pirna, 17. August - 28. August 2002

Am Samstag, den 17. August 2002, erreichte den THW-Ortsverband Baiersdorf der Einsatzbefehl zur Fahrt nach Pirna (Sachsen). Unser primärer Einsatzauftrag war es, die im Stadtteil Sonnenstein von der Bundeswehr errichtete Zeltstadt für Evakuierte mit Strom, Licht und Wärme zu versorgen.

Nachdem unsere Fahrzeuge für diesen längeren Einsatz gerüstet und mit diversen Aggregaten, Verteilern, Leitungen und Beleuchtungsmaterial beladen worden waren, rückte der THW-Ortsverband Baiersdorf mit vorerst 13 Helfern, vier Fahrzeugen und zwei Anhängern aus. Am Sonntagmorgen um 00:30 Uhr erreichten wir unser Ziel. Nach einer kurzen Rücksprache der Einsatzleitung über die aktuelle Situation, begannen die Helfer in den frühen Morgenstunden die über 200 Zelte zu verkabeln und mit Schaltern, Steckdosen und Beleuchtungsmitteln auszustatten.

Die am selben Tag durchgeführte Erkundungsfahrt nach Weesenstein zeigte das katastrophale Ausmaß der Lage: ganze Häuser waren von der Strömung weggespült oder zum Teil erheblich beschädigt worden, Straßen waren weggerissen, Bahngleise hingen in der Luft, unterirdische Versorgungsleitungen waren freigespült, elektrische Freileitungen umgeknickt. Unbrauchbar gewordener Hausrat und Schlamm türmte sich zu großen Bergen auf. Kurzum: Die Infrastruktur war völlig zerstört.

In den kommenden Tagen erweiterte sich unser Aufgabengebiet schließlich. Ein Teil unserer Mannschaft hatte den Auftrag mit unserem Unimog-Kran Flüssiggas-Tanks zu bergen, die von der Strömung mitgerissen worden waren. Weiterhin wurden in Weesenstein Baustromverteiler installiert, vom Einsturz bedrohte Gebäude abgestützt und Keller ausgepumpt.

Etwas weiter flussabwärts entwickelte sich eine größere Einsatzstelle: An der Wehranlage der Müglitz kurz vor der Ortschaft Dohna hatte sich auf einer Länge von gut 250 Metern Treibgut aufgestaut. Es handelte sich hierbei um eine ungeheuere Menge an entwurzelten Bäumen, Hausrat, Balken von zerstörten Häusern und vielem mehr; eben alles was die Strömung mit sich gerissen hatte. Die mächtig gewachsenen Bäume, die nun quer im Flussbett lagen, konnten nur durch gezielte Sprengungen beseitigt werden. Die Stahlteile der Wehranlage wurden durch Brennschneiden zerteilt und das Treibgut mittels Seilwinde und Kran geborgen. Auf Grund des immensen Ausmaßes und der Dringlichkeit kam uns eine Bundeswehr-Pioniereinheit mit schwerem Gerät (Bergepanzer/ Kräne) zu Hilfe. Mit vereinten Kräften gelang es uns nach sieben Tagen die Wehranlage und das Flussbett frei zu räumen. Während der Räumungsarbeiten wurde eine der vermissten Personen tot aufgefunden. Auch hier half das THW und die Bundeswehr bei der Bergung der Leiche.

Im Laufe dieser Arbeiten erhielten wir Besuch durch die Staatssekretärin Frau Zypries, Verteidigungsminister Herrn Struck, THW-Präsident Herr Dr. Thiel und dem THW-Landesbeauftragten für Sachsen/Thüringen, Herrn Bosse.

In der nahegelegenen Gemeinde Mühlbach drohte ein unterspülter Kamin (Höhe 55 m) umzustürzen. Noch bevor größerer Schaden entstehen konnte, entschied man sich, den Kamin zu sprengen. Der Sprengberechtigte des THW Ortsverbandes Baiersdorf leitete auch diese Sprengaktion und brachte nach den Vorbereitungen den Kamin mit 12 kg Sprengstoff am 26. August 2002 ordnungsgemäß zu Fall.

Am Mittwoch, den 28. August 2002, konnten wir unsere Einsatzaufträge abschließen bzw. an andere THW-Einheiten übergeben und die Heimfahrt antreten. Insgesamt 27 Helfer des Ortsverbandes Baierdorf waren im Raum Pirna im Einsatz und leisteten knapp 2600 Arbeitsstunden. Auch wenn der Einsatz für uns nun abgeschlossen ist, werden die Bilder dieser Zerstörung und des Leids der Bevölkerung uns noch lange in Erinnerung bleiben.

 

Weltkulturerbe Wörlitzer Park
In der Folge der gesamten Hochwassereinsätze 2002 wurden dann vom 05. bis 08. September 2002, sowie vom 13. bis 18. September 2002 insgesamt fünf Helfer aus dem Ortsverband Baiersdorf im Weltkulturerbe Wörlitzer Park bei Dessau eingesetzt. Dort drohten die von der Unesco geschützten Seen ökologisch umzukippen. Die Helfer übernahmen die Einsatzabschnittsleitung II, bei der ein großes Überschwemmungsgebiet von durch Fäkalien verunreinigtem Wasser leer gepumpt werden musste, um weiteren Nährstoffeintrag in die Wörlitzer Seen zu verhindern. Damit wurden in diesem Einsatzabschnitt insgesamt etwa 50 THW Helfer in zwei Schichten mit der Betreuung der Elektropumpen und Aggregaten mit einer Gesamtpumpleistung von 51000 l/min geführt.


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